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Sprachliche Förderung in der Kita

Kurzfassung Rahmendaten Langfassung Gesamt
Ausgangslage

Sprache ist nicht nur der Schlüssel zur Welt. Sie ist auch und gerade für den Bildungserfolg eines Kindes wesentlich. Um Kinder möglichst frühzeitig bei der Entwicklung und Ausformung ihrer sprachlichen Fähigkeiten zu unterstützen, wurden zahlreiche Maßnahmen und Projekte auf den Weg gebracht. Auch in den für den Elementarbereich neu aufgestellten Bildungs- und Erziehungsplänen der Bundesländer spielen Sprache und Sprachförderung eine zentrale Rolle. Sprachförderung ist mithin zu einem der wichtigsten bildungspolitischen Themen geworden.

Was allerdings das „beste Angebot“ sprachlicher Förderung ist, darüber bestehen unterschiedliche Auffassungen. Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat erstmalig in einer bundesweiten Recherche die verschiedenen Ansätze im Elementarbereich erfasst, systematisch dargestellt und beschrieben (Jampert u.a. 2005). Dieser Überblick zeigt, dass bei der sprachlichen Förderung ganz unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt werden. Während sich einige Angebote auf sprachstrukturelle Aspekte wie Grammatik oder phonologische Bewusstheit konzentrieren, verfolgen andere einen ganzheitlichen Ansatz und stellen kommunikative Fähigkeiten von Kindern in den Vordergrund. Das DJI-Projekt „Sprachliche Förderung in der Kita“ wird untersuchen, wie diese beiden Linien sprachlicher Förderung in einem Gesamtkonzept zusammengeführt werden können.
Fragestellung

Welche Sprachlernpotenziale verbergen sich in den verschiedenen Bildungsbereichen des Elementarbereichs?
Wie lassen sich diese Angebote für eine gezielte Sprachförderung nutzbar machen?
Zielsetzungen

Das Ziel der ersten Projektphase war die Erarbeitung eines theoretischen Grundlagenkonzeptes, das systematisch die spezifischen Sprachförderpotenziale der elementarpädagogischen Bereiche Musik, Bewegung, Naturwissenschaften und Medien(arbeit) herausarbeitet. Die Schwerpunkte bestehen darin, sprachliche Förderung als Querschnittsthema pädagogischer Arbeit kontinuierlich und von Anfang an in Kindertageseinrichtungen zu implementieren und hierbei die systematische, progressive sprachliche Unterstützung von Kindern mit traditionellen und innovativen Angeboten aus dem vorschulischen Bildungs- und Erziehungsspektrum zu verknüpfen.

Das Ziel der zweiten Phase ist die Erstellung eines anschaulichen und handhabbaren Praxismaterials, das pädagogische Fachkräfte zu einer systematischen sprachlichen Förderung quer durch den pädagogischen Bildungsalltag motiviert.
Theoretisch-konzeptioneller Ansatz

Das Projekt „Sprachliche Förderung in der Kita“ sieht die Qualität für den kindlichen Spracherwerb in engem Zusammenhang mit einem anregungsreichen Umfeld. Kinder erwerben Sprache in erster Linie „im Leben“, im sozialen Miteinander, in Kommunikation und Interaktion. Für sie findet Sprache überall statt. Sie singen, toben, malen, spielen, handeln Regeln aus, erforschen ihre Umgebung und entdecken in Büchern und Geschichten Vertrautes aus ihrem Alltag und Faszinierendes aus unbekannten Welten. Mit Besuch des Kindergartens erweitert sich ihr Handlungsspektrum und damit ihre sprachlichen Möglichkeiten. Im Laufe des Kindergartenalters zeigen Kinder ein zunehmend komplexeres, immer mehr auch hinterfragendes und erklärendes Sprachverhalten. Sprache ist nun ein Medium für die Herstellung und Gestaltung von Beziehungen und unterstützt die Kinder bei der Durchführung und Planung ihrer spielerischen Aktivitäten. Ihre Motivation zur Verwendung von Sprache und ihr Bedürfnis nach einem zunehmend komplexeren Sprachgebrauch entstehen in Folge oder in Verbindung mit einer „reichhaltigen pädagogischen Kost“. Anspruchsvolle Tätigkeiten, die Kinder mit all ihren Sinnen und Handlungskompetenzen animieren und herausfordern sowie Dialoge mit Erwachsenen, in denen sie ernst genommen werden, wecken bei ihnen das Bedürfnis nach einer zunehmend differenzierteren Sprache.

Eingedenk der Tatsache, dass sich sprachliches Wissen aus vielen Mosaiksteinen zusammensetzt, legt das Projekt „Sprachliche Förderung in der Kita“ sein Augenmerk nicht nur auf sprachliche Strukturen, wie Aussprache, Wortschatz und Grammatik. Es beleuchtet auch die Frage, wie die kognitiven und kommunikativen Funktionen von Sprache in den genannten Bildungsangeboten zum Tragen kommen. Denn in all diesen sprachlichen Bereichen machen Kinder in der Kindergartenzeit ganz entscheidende Entwicklungsschritte, die eng miteinander verwoben sind.

Als zentrale Merkmale des Konzepts lassen sich folgende Aspekte hervorheben:
  • Ein Konzept für alle Kinder von Anfang an: Das Sprachförderkonzept soll sich auf alle Kinder einer Einrichtung beziehen und die gesamte dreijährige Besuchszeit der Einrichtung umfassen. Auf dieser Grundlage aufbauend werden mehrsprachige Lebenssituationen sowie entwicklungs- und geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigt.
  • Sprachförderung als sozialpädagogische Querschnittsaufgabe: Sprachliche Angebote sollen in Verbindung mit wichtigen Förder- und Entwicklungsbereichen gebracht werden, die das pädagogische Vorgehen im Elementarbereich kennzeichnen. Sprachliche Angebote in diesem Sinne sind keine zusätzlichen und isolierten Maßnahmen. Die Entwicklung des Sprachförderkonzepts konzentriert sich auf die Verbindung von sprachlichen Aspekten mit Bewegungserziehung, mit musikalisch-ästhetischer Früherziehung, mit Medienarbeit sowie mit naturwissenschaftlichen Angeboten. Damit wird sprachliche Förderung zum Bestandteil einer ganzheitlichen Erziehung, die allerdings Spracherziehung bewusst und systematisch in das pädagogische Angebot integriert.
  • Sprachförderung als Kompetenzansatz: Sprachförderung versteht sich in diesem Projekt als präventives Vorgehen und nicht als kompensatorische Maßname. Während schulbezogene Sprachfördermaßnahmen ihren Anknüpfungspunkt in den sprachlichen Defiziten von Kindern sehen, sollen in diesem ganzheitlichen Sprachförderkonzept die kommunikativen Fähigkeiten von Kindern (und auch von ErzieherInnen) im Vordergrund stehen.
  • Sprachförderung handhabbar für ErzieherInnen: Das Sprachförderkonzept soll sich durch Praxisnähe auszeichnen, d.h. von Fachkräften in Eigenregie umsetzbar sein. Sprachförderung findet dabei ihren Platz im Alltag der Kindertageseinrichtung.
Methodische Vorgehensweise

Das Grundlagenkonzept zur sprachlichen Förderung in der Kita wurde von einem interdisziplinär zusammengesetzten Projektteam aus den Bereichen Psychologie, Erziehungswissenschaft, Medienpädagogik und Linguistik erarbeitet und ist in Buchform erschienen (Jampert u.a. 2006). Darin werden die vier Bildungs- und Entwicklungsbereiche nach ihren jeweils spezifischen sprachfördernden Möglichkeiten und Aspekten dargestellt sowie Hinweise für Umsetzungsmöglichkeiten in der Praxis gegeben.

Im Mittelpunkt der zweiten Projektphase stehen die Erprobung und Erweiterung des theoretischen Konzepts in der Praxis und seine didaktische Ausdifferenzierung. Sie finden in Zusammenarbeit mit ErzieherInnen von derzeit zehn Modelleinrichtungen statt.

Während der Erprobung wechseln sich Workshops zur Qualifizierung der Fachkräfte und Praxisphasen zur Vertiefung und Umsetzung ab. Dabei steht die Umsetzung des Grundlagenkonzepts im Mittelpunkt, ergänzt um situations- und zielgruppenspezifische Sprachfördermöglichkeiten.

Aufgaben der wissenschaftlichen Begleitung durch das DJI-Projektteam sind die Gestaltung der Kooperationsbezüge mit den Modelleinrichtungen, die Qualifizierung der Fachkräfte in Workshops, die Beratung als Praxisbegleitung vor Ort sowie die Dokumentation der Praxiserfahrungen im Hinblick auf die Erstellung und Präsentation eines didaktischen Materials.
Literaturangaben
Jampert, Karin; Best, Petra; Guadatiello, Angela; Holler, Doris; Zehnbauer, Anne: Schlüsselkompetenz Sprache. Sprachliche Bildung und Förderung im Kindergarten. Konzepte, Projekte und Maßnahmen. Weimar/Berlin: verlag das netz, 2005.
URL der Projekthomepage
http://www.dji.de/sprachfo-kita
Weitere URL der Projekthomepage
Projektveröffentlichungen
Jampert, Karin; Leuckefeld, Kerstin; Zehnbauer, Anne; Best, Petra: Sprachliche Förderung in der Kita. Wie viel Sprache steckt in Musik, Bewegung, Naturwissenschaften und Medien? Weimar/Berlin: verlag das netz, 2006.

DJI-Bearbeiterin
Ulrike Berg-Lupper
Stand der Information
22.10.2006
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